Eine Aktion der christlichen Kirchen von Salzburg
Eine Aktion der christlichen Kirchen von Salzburg
Notreisende und ArmutsmigrantInnen in Salzburg
Gerüchte Aber Menschenwürde und Toleranz Wir sind es uns schuldig

 

 

„Bettler sind Menschen. Einfache Aussage. Behandeln wir Sie mit Respekt und Freundlichkeit. Ein Lächeln kommt garantiert zurück. Gerade diese reiche Stadt - und das ist sie - sollte im Umgang mit ärmeren Menschen, gerade auch mit Menschen, die auf der Flucht sind, Großzügigkeit beweisen. Deshalb unterstütze ich diese Initiative.“

Cornelius Obonya

Keinem Menschen und am wenigsten sich selber wünscht man, dass ihn das Schicksal so schlägt, dass er zum Bettler werden muss. Daran sollte jeder denken wenn er einem Bettler begegnet: Er ist ein Mensch wie du und ich!

Deshalb unterstütze ich diese Initiative.

Sepp Forcher

Die Würde eines anderen Menschen zu achten bedeutet für mich auch, ihm zu helfen, wenn er in Not ist. Dies empfinde ich nicht als Pflicht, sondern als eine Selbstverständlichkeit. Auch Menschen in Armut beschenken uns – durch ihr Menschsein. Diese Möglichkeit müssen wir ihnen und uns einräumen. Deshalb unterstütze ich die Initiative.

Univ.-Prof. Dr. Heinrich SCHMIDINGER

Ich möchte Mutter Theresa zitieren: Die schlimmste Krankheit, die keine Medizin heilen kann, ist das Gefühl unerwünscht und verlassen zu sein.

Doraja Eberle

„Weil wir Armut nicht bekämpfen können, indem wir sie einfach unsichtbar machen, müssen auch arme und bettelnde Menschen in einer reichen Stadt Platz haben. Hand aufs Herz: Was nehmen sie uns denn weg, außer die Illusion einer heilen Welt?“

Superintendent Mag. Olivier Dantine

Inzwischen liegen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema der Notreisen in die Wohlstandsregionen Europas vor, wonach insbesondere die größeren Städte als Destinationen für einen mehr oder minder ausgedehnten Aufenthalt betroffen sind , und geben Auskunft über die Rahmenbedingungen dieser Armutsmigration aus den Elendsquartieren und Slums in Südost-Europa. Der öffentliche Diskurs ist jedoch durch unbelegte Gerüchte, Vermutungen oder Behauptungen geprägt und läuft auf empirisch nicht haltbare Verkürzungen hinaus. Unterm Strich sind Notreisen in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Darstellung in den Boulevardmedien eine Angelegenheit von kriminellen Banden arbeitsscheuer Roma, die mittels Menschenhandel und Ausbeutung abhängiger (z.B. minderjähriger oder behinderter) Personen im reichen Westen das große Geld machen. So manche dieser Meldungen gipfelt demgemäß in der „besorgten“ Ermahnung an die "gutgläubigen" BürgerInnen, doch keine Almosen zu geben und diese Form des Menschenhandels nicht zu unterstützen.

Gerüchte und Fotoserien von vorgetäuschter Behinderung, Berichte über das abendliche Einsammeln der älteren und behinderten BettlerInnen, Erzählungen von gut gekleideten Männern, die das Geld aus den Bettelschalen der BettlerInnen abkassieren und mit Plastiksäcken voll Kleingeld in noblen PKWs das Weite suchen etc. gelten dann als Beweis für den massenhaften Missbrauch von Gutgläubigkeit und Barmherzigkeit.

ABER: Wer sind die Menschen, die von der Politik und den Medien oft pauschal als Angehörige einer „Bettelmafia“ stigmatisiert werden, welche Geschichten haben sie zu erzählen, woher kommen sie und warum haben sie ihre Heimat verlassen, mit welchen Vorstellungen und Erwartungen kamen sie nach Salzburg und wie wurde die Reise konkret realisiert, welche Schul- und Berufsbildung haben sie, hatten sie einmal eine Arbeitsstelle, wie sehen die Sozialleistungen und Lebensbedingungen in der Herkunftsregion aus, wo ist die Familie und wie (über)lebt sie, wie schlagen sie sich in Salzburg durch und wie erleben sie ihren Alltag hier, wie reagieren PassantInnen, AnwohnerInnen und Geschäftsleute auf diese Menschen, wie helfen und schützen sie sich gegenseitig und welche externen Hilfsangebote kennen und nutzen sie?

Unter dem Vorzeichen von Menschenwürde und Toleranz: Antworten auf diese Fragen geben am besten die betroffenen Menschen selbst, die für die Untersuchung von Heinz Schoibl und einer Gruppe von InterviewerInnen mit entsprechenden Sprachkenntnissen befragt wurden. Ihre Aussagen machen auf ein unvorstellbares Elend in den Herkunftsregionen aufmerksam, belegen unterstützende Familienbande und nachbarschaftliche Netzwerke und fordern uns auf zum Nachdenken über Bedarfslagen der Notreisenden und Möglichkeiten für solidarisches Handeln im kommunalen Kontext von Salzburg.

Wir sind es uns schuldig, einen Beitrag zur

Überwindung dieser existenzgefährdenden Notlagen zu leisten – und zwar gleichermaßen hier in einer der Wohlstandsregionen Europas als auch (auf mittlere Sicht) in den Herkunftsregionen.

Download PDF:  Bettelmigranten